DIN VDE V 0126-95: Neue Produktnorm für Balkonkraftwerke – Was Anwender wissen müssen

Jenö Kolbe10 Min. Lesezeit
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Am 1. Dezember 2025 ist die neue Produktnorm DIN VDE V 0126-95 in Kraft getreten – ein Meilenstein für die Sicherheit von Steckersolargeräten, auch bekannt als Balkonkraftwerke. Diese Norm definiert erstmalig einheitliche technische Anforderungen und schafft damit Klarheit für Hersteller, Anwender und Fachunternehmen. In diesem Beitrag erklären wir, was die Norm bedeutet und welche wichtigen Punkte Sie als Anwender beachten müssen, wenn Sie ein Balkonkraftwerk selbst installieren möchten.

Warum ist die neue Produktnorm wichtig?

Die DIN VDE V 0126-95 ist die weltweit erste Produktnorm speziell für Steckersolargeräte. Sie legt Mindestanforderungen an die Sicherheit fest und adressiert insbesondere das Risiko des elektrischen Schlags, den Aufbau durch Laien, die mechanische Sicherheit sowie die Überlastung der Hausinstallation. Hersteller, die ihre Produkte nach dieser Norm entwickeln und prüfen, können die Normkonformität deklarieren – ein wichtiges Signal für Verbraucher, dass sie ein normgerechtes und vertrauenswürdiges Produkt erhalten.

Für Anwender bedeutet dies: Wer ein normkonformes Balkonkraftwerk kauft, kann sicher sein, dass die wichtigsten Sicherheitsaspekte berücksichtigt wurden. Dennoch gibt es einige kritische Punkte, die Sie bei der Installation und dem Betrieb beachten müssen.

Keine Mehrfachsteckdosen oder Verlängerungskabel

Einer der wichtigsten Sicherheitsaspekte, den die Norm adressiert, betrifft den Anschluss an das Hausnetz. Balkonkraftwerke dürfen niemals über eine Mehrfachsteckdose oder ein Verlängerungskabel angeschlossen werden. Dies birgt erhebliche Sicherheitsrisiken:

  • Überlastungsgefahr: Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel sind nicht für den dauerhaften Betrieb von Wechselrichtern ausgelegt und können überhitzen. Zwar sind die meisten handelsüblichen Mehrfachsteckdosen für etwa 3000 - 3500 Watt ausgelegt und sollten so rein rechnerisch kein Problem darstellen. Wenn zusätzliche Verbraucher an der selben Steckdose betrieben werden, kann es aber insbesondere bei älteren Stromkreisen theoretisch zu einer Überlastung der Leitung kommen. Um dieses Risiko vollständig auszuschließen sollte am besten keine Mehrfachsteckdosen verwendet werden.
  • Erhöhte Brandgefahr: Loose Verbindungen oder minderwertige Steckdosen können zu Wärmeentwicklung und im schlimmsten Fall zu Bränden führen.
  • Spannungsabfall: Längere Kabelwege können zu unerwünschten Spannungsabfällen führen und die Effizienz reduzieren.

Aus diesem Grund schreibt die Norm vor, dass Hersteller normkonformer Balkonkraftwerke ein mindestens 5 Meter langes Kabel am Wechselrichter anbringen müssen. Dies soll sicherstellen, dass das Gerät direkt an eine geeignete Steckdose angeschlossen werden kann, ohne auf Verlängerungskabel zurückgreifen zu müssen. Wenn Sie also ein normkonformes Balkonkraftwerk kaufen, sollten Sie darauf achten, dass das Kabel lang genug ist, um von Ihrem geplanten Montageort zur nächsten Steckdose zu reichen.

Steckverbinder auf der Gleichstromseite: Kompatibilität ist entscheidend

Ein besonders kritischer Punkt, den viele Anwender unterschätzen, betrifft die Steckverbinder auf der Gleichstrom (DC)-Seite – also die Verbindung zwischen Solarmodul und Wechselrichter. Die Norm schreibt vor, dass immer nur Steckverbinder des gleichen Herstellers und Typs verwendet werden dürfen.

Warum ist das so wichtig? Unterschiedliche Steckverbinder-Typen (z.B. MC4, MC4-Evo, verschiedene Hersteller) sind nicht kompatibel oder sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Eine falsche Verbindung kann zu Übergangswiderständen führen und die Leistung des Balkonkraftwerks reduzieren.

Problematisch wird es, wenn Sie sich Ihr Balkonkraftwerk selbst zusammenstellen – also wenn Sie Modul und Wechselrichter getrennt kaufen. In diesem Fall müssen Sie sicherstellen, dass alle Steckverbinder vom selben Hersteller und Typ sind (z.B. alle von Stäubli). Für Laien ist dies nur schwer zu überprüfen, da die Unterschiede oft nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Unsere Empfehlung: Wenn Sie sich nicht sicher sind, dass alle Komponenten kompatibel sind, sollten Sie auf ein Fachunternehmen zurückgreifen. Professionelle Installateure kennen die Kompatibilitätsanforderungen und können sicherstellen, dass alle Komponenten korrekt zusammengestellt und verbunden werden. So steht einer guten Ertragsoptimierung nichts im Weg.

Statischer Nachweis des Montagesystems

Die neue Norm regelt auch, dass Hersteller, die normgerechte Balkonkraftwerke anbieten wollen, einen statischen Nachweis des Montagesystems erbringen müssen. Dieser Nachweis muss unter anderem die auftretenden Windlasten berücksichtigen.

Was bedeutet das für Sie als Anwender? Wenn Sie ein normkonformes Balkonkraftwerk kaufen, können Sie davon ausgehen, dass das Montagesystem für die typischen Belastungen ausgelegt ist. Dennoch sollten Sie bei der Installation darauf achten:

  • Fachgerechte Befestigung: Das Montagesystem muss sicher am Balkon, der Terrasse oder der Wand befestigt werden. Die Herstelleranleitung sollte genau befolgt werden.
  • Windlasten beachten: Besonders in windexponierten Lagen (z.B. höhere Stockwerke, exponierte Balkone) sollten Sie sicherstellen, dass die Befestigung ausreichend dimensioniert ist.
  • Schneelasten: In schneereichen Regionen können zusätzliche Lasten auftreten, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

Die Norm stellt sicher, dass Hersteller diese Aspekte in ihren Nachweisen berücksichtigen. Als Anwender sollten Sie jedoch die Montageanleitung sorgfältig lesen.

Energiespeicher: Noch nicht durch die Norm geregelt

Ein wichtiger Punkt, den Sie wissen sollten: Die Nutzung von Energiespeichern ist durch die DIN VDE V 0126-95 nicht geregelt. Die Norm bezieht sich ausschließlich auf Steckersolargeräte, die direkt an das Hausnetz angeschlossen werden.

Für Energiespeicher, die mit Balkonkraftwerken kombiniert werden, gibt es aktuell noch keine spezifische Produktnorm. Allerdings wurde bereits ein Gremium gebildet, um eine entsprechende Norm zu erarbeiten. Dies bedeutet, dass es aktuell nicht möglich ist ein Energiespeicher normkonform zu betreiben - auch wenn in der Praxis bereits viele Speicher betrieben werden.

Wenn Sie planen, Ihr Balkonkraftwerk mit einem Speicher zu kombinieren, sollten Sie sicherstellen, dass:

  • Der Speicher für den Einsatz mit Steckersolargeräten zugelassen ist
  • Alle Komponenten kompatibel sind
  • Die Installation durch eine Elektrofachkraft erfolgt

Leistungsgrenzen und Steckvorrichtungen

Die Norm regelt auch, welche Art von Steckvorrichtung je nach Leistung zulässig ist. Dies ist ein wichtiger Punkt für die Planung Ihres Balkonkraftwerks:

Bis 800 W + 20% (in der Regel 2 Module): Haushaltsstecker zulässig

Bei einer Gesamtmodulleistung von maximal 800 W plus 20% Toleranz (also bis zu 960 W) ist der Anschluss über einen Haushaltsstecker (Schuko-Stecker) in Kombination mit Isolierung und sicherer Trennung im Wechselrichter zulässig. In der Praxis bedeutet dies meist zwei Solarmodule mit je etwa 400 W Leistung.

Diese Konfiguration können Sie als Laie selbst installieren, sofern Sie die anderen Sicherheitsanforderungen beachten. Der Wechselrichter muss jedoch über entsprechende Sicherheitseinrichtungen verfügen, die in normkonformen Geräten bereits integriert sind.

Bis 2000 W (in der Regel 3-4 Module): Energie-Steckvorrichtung erforderlich

Bei einer Gesamtmodulleistung von bis zu 2000 W (in der Regel 3-4 Module) ist eine Energie-Steckvorrichtung (z.B. Wieland-Stecker) notwendig. Diese kann nur von einer Elektrofachkraft installiert werden.

Die Installation einer Energie-Steckvorrichtung erfordert:

  • Fachkundige Planung der Elektroinstallation
  • Professionelle Installation durch eine Elektrofachkraft
  • Ggf. Anpassung der Hausinstallation
  • Abnahme durch einen Elektriker

Wenn Sie also ein größeres Balkonkraftwerk mit mehreren Modulen planen, sollten Sie von vornherein ein Fachunternehmen einbeziehen.

Kennzeichnungspflicht: Nur ein Steckersolargerät pro Haushalt

Die Produktnorm schreibt vor, dass an dem Stecker zur Verbindung mit der Hausinstallation eine Kennzeichnung angebracht werden muss, die darauf hinweist, dass nur ein Steckersolargerät pro Anschlussnutzeranlage (Haushalt) angeschlossen werden darf.

Diese Regelung dient dem Schutz der Hausinstallation vor Überlastung. Mehrere Balkonkraftwerke an verschiedenen Steckdosen im selben Haushalt können zusammen zu einer Überlastung führen, die Sicherungsschalter nicht mehr zuverlässig schützen können.

Fazit: Sicherheit geht vor – aber Selbstinstallation ist möglich

Die neue Produktnorm DIN VDE V 0126-95 ist ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit bei Balkonkraftwerken. Sie schafft Klarheit für Hersteller und Anwender und definiert Mindestanforderungen, die normkonforme Geräte erfüllen müssen.

Für Anwender bedeutet dies: Wenn Sie sich mit den technischen Details auseinandersetzen möchten und die Sicherheitsanforderungen beachten, können Sie ein normkonformes Balkonkraftwerk bis 800 W + 20% durchaus selbst installieren. Wichtig ist dabei:

  • Keine Mehrfachsteckdosen oder Verlängerungskabel verwenden
  • Bei selbst zusammengestellten Systemen auf Kompatibilität der Steckverbinder achten
  • Die Montageanleitung genau befolgen
  • Nur ein Steckersolargerät pro Haushalt anschließen
  • Die maximale Leistung des Balkonkraftwerks beachten

Wenn Sie sich jedoch nicht mit diesen technischen Details beschäftigen möchten, aber dennoch Teil der Energiewende sein wollen, ist es durchaus sinnvoll, ein Fachunternehmen zu beauftragen. Professionelle Installateure kennen alle Anforderungen, können die Kompatibilität der Komponenten sicherstellen und sorgen für eine fachgerechte Installation, die allen Sicherheitsstandards entspricht.

Bei Solardet setzen wir auf eine fachgerechte Installation. Wir beraten Sie gerne zu allen Aspekten der neuen Norm und helfen Ihnen dabei, das passende Balkonkraftwerk für Ihre Bedürfnisse zu finden – ob Sie es selbst installieren möchten oder eine professionelle Installation wünschen.

Haben Sie Fragen zur neuen Norm oder benötigen Sie Unterstützung bei der Planung Ihres Balkonkraftwerks? Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Beratung!

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